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| Reisetagebuch Schüleraustausch mit Kirgistan
7.5.04 Abfahrt Bahnhof Bocholt
Endlich war es so weit, der Tag der Abreise nach Kirgistan war gekommen. Nach langen Verabschiedungen und ein paar Tränchen begann endlich unsere große Reise nach Kirgistan. Wir waren alle guter Laune und freuten uns auf die bevorstehende Woche. Doch bei einigen gab es leichte Zweifel. Mal war es Flugangst oder auch die Ungewissheit, in dieses fremde Land zu reisen. Doch wir waren ja gut vorbereitet worden, denn wir hatten uns in der Russisch-AG schon viele Gedanken über unsere Reise gemacht. Mit einem Bus wurden wir zu unserem Flugzeug gefahren und konnten es zum ersten mal begutachten. Die Maschine sah von außen schon wie Schrott aus, doch dann erst der Schock im Flugzeug! Die Fensterscheiben waren teilweise geklebt, es gab nur drei Stewardessen (die so gut wie kein Englisch sprachen), es stank entsetzlich, die Sitze waren kaputt und teilweise sogar nass und es war kalt! Nachdem sich die Maschine dann endlich in Bewegung gesetzt hatte und wir dann sogar abhoben, wobei uns allen fast das Trommelfell geplatzt wäre, weil die Triebwerke so laut waren und teilweise manche totalen Druck auf den Ohren hatten, begann der lange Flug.
Und schon nahte die nächste Katastrophe! Alles fing ganz harmlos an, wir fuhren getrennt in zwei Marschrutkas ( Kleinbussen) zum Hotel auf einer kleinen Straße. Wir alle schauten nach draußen, um uns die schöne Natur anzusehen, als plötzlich vor uns drei Hunde die Straße überqueren wollten! Also wir mit voller Geschwindigkeit auf die drei zu. Alle Augenpaare waren auf die Hunde gerichtet, der erste rannte schneller und schaffte es auf die andere Seite. Doch dann der zweite, ... Man hörte nur noch einen Knall und spürte eine Erschütterung. Keiner sagte etwas, bis doch jemand etwas sagen konnte: „Wir haben den Hund überfahren! Der Hund ist tot!“ Alle waren einfach nur geschockt und zugleich traurig.
Das Hotel war echt klasse! Leider mussten wir schon um 10 Uhr, nachdem wir etwas geschlafen hatten, wieder los. Wir unternahmen mit einem Lehrer und vier Schülerinnen (aus Talas) eine Stadtführung. Als erstes tauschten wir alle etwas Geld ein, damit wir uns nachher im „Einkaufszentrum“ etwas kaufen konnten. Wir waren alle sehr erstaunt wie billig man dort einkaufen konnte, ein CD-Album kostet dort umgerechnet etwa drei Euro und eine Cola zwanzig Cent! So freuten wir uns schon auf die nächste Shopping Tour!
21 Uhr 20 Ankunft Talas Gymnasium Nr.3 Nach einer langen Fahrt kamen wir endlich müde am Gymnasium Nr.3 in Talas an. Dort warteten unsere Austauschschüler und ihre Eltern mit Geschwistern schon auf uns! Meine Gastfamilie war extra mit dem „Auto“ gekommen, um mich abzuholen..
Zu hause angekommen erlebte ich eine Überraschung. Das Haus war aus Holz gebaut, es gab keine Klingel, dafür hatte man einen Hund, der immer bellte wenn jemand kam. Es gab ein Plumsklo draußen neben dem Schweinestall, die Küche und das Bad waren in einem anderem Gebäude. An das Zimmer von Ksenija ( meine Austauschschülerin), habe ich mich schnell gewöhnt. Am süßesten waren die zwei kleinen Katzenbabys, die noch keinen Namen besaßen. Ich konnte gut schlafen. Leider mussten wir am nächsten Morgen schon wieder früh aufstehen. |
| | Heute regnet es und in den Straßen bilden sich richtige Seen in den Schlaglöchern. Als wir die Schulführung abgeschlossen hatten, durften wir mit unseren Austauschschülern kirgisische Souvenirs basteln. Zwei Lehrer haben uns Kirgistan vorgestellt (Ümüt und Lena). Lena hat uns erzählt, dass es in Kirgistan ein Brauch ist Mädchen zu rauben! Dies passiert dann, wenn ein Mann keine Frau findet, dann sucht er sich einfach irgendein Mädchen aus, um es zu rauben! Als wir davon hörten bekamen wir Mädchen alle richtig Angst, doch Lena versicherte uns, dass dieser Brauch nur unter Kirgisen gilt und nicht bei uns Deutschen. Nach dieser Stunde hatten wir aber erst einmal Mittagspause in den Familien. Ich bin mit Susi und Kristina nach Hause gegangen, weil ich dort zum Essen eingeladen wurde. Es gab Nudel mit Fleisch, Gemüse und dazu Soße. Es schmeckte richtig lecker.
11.5.04 9 Uhr Fahrt nach Besch-Tasch An diesem Morgen trafen wir uns alle an der Schule (mit Austauschschülern) und fuhren in mehreren Marschrutkas nach Besch-Tasch. Da leider in unserem Wagen noch etwas Platz war, mussten wir ein „totes Schaf“ mitnehmen, Unterwegs gaben wir dem Schaf den Namen „ Baran Ümüt“, das heißt übersetzt „ Schaf der Hoffnung!“ Doch eigentlich hätten wir dieses Schaf gar nicht mitnehmen brauchen, denn am Abend beim Grillen hat keiner etwas davon gegessen so angeekelt waren wir!
Als der Wagen hielt und wir die Hütte sahen - in einem Raum sollten 12 Leute - dachten wir, dass es eigentlich nicht schlimmer kommen könnte. Doch dann sahen wir die Berge! Horror! Und dann kam die Wanderung: Wir brauchten hin zu dem tollen See ca. 5 Stunden und das alles bergauf! Die Übernachtung in der Hütte war ein Erlebnis! Es war eng in dem Zimmer, total warm und so schlechte Luft, dass wir alle fast gar nicht schlafen konnten.
12.5.04 7 Uhr Der Tag nach der Wanderung Wir sind alle schon früh wach geworden. Viele hatten Muskelkater oder dicke Blasen unter den Füßen! Also sind wir zum Bach gegangen um uns die Zähne zu putzen und uns zu waschen. Das Wasser war richtig schön kalt und total klar, sodass man es sogar trinken konnte. Dann gab es leckeres Frühstück und danach hatten wir zwei Stunden Freiheit und haben uns auf Decken etwas in die Sonne gelegt.
13.5.04 8 Uhr Unterricht in den Klassen Nachdem Mittagessen haben wir uns an der schule getroffen und alle zusammen auf dem Schulhof eine Jurte aufgebaut. Anschließend haben wir am Lagerfeuer Lieder gesungen, der Favorit unter den Austauschschülern war „10 nackte Neger!“ Das Lied haben wir so oft gesungen, dass ich es jetzt echt nicht mehr hören kann!
12 Uhr Abschied nehmen! Jetzt hieß es endgültig Abschied zu nehmen! Das fiel keinem von uns leicht, denn wir hingen sehr an unseren Austauschschülern! Viele waren am Weinen und wollten noch länger bleiben! Schließlich fuhren wir los nach Bischkek, noch einmal 6 Stunden Fahrt und eine Kuh, die wir fast noch angefahren hätten.
23 Uhr Ankunft Coesfeld-Bahnhof Endlich hatten wir es geschafft! Als der Zug hielt warteten unsere Lieben schon sehnsüchtig auf uns und alle freuten sich auf das Wiedersehen! Trotzt allem waren wir recht froh endlich wieder zuhause zu sein, aber trotzdem war es eine schöne Erfahrung, auf die wir alle gerne zurückblicken und uns freuen dabei gewesen zu sein! Ich hoffe, dass dieser Austausch nicht der letzte gewesen ist, denn es sollten noch viele andere die Möglichkeit bekommen so etwas mitzuerleben wie wir! Mandy Tekampe |