Nach einer langen und anstrengenden Reise, deren vielleicht abenteuerlichster Teil mich durch die wilde Bergwelt des Landes führte (dazu war u. a. eine unasphaltierte Passstraße, die sich 3200 m über dem Meeresspiegel befindet, zu überqueren), erreichte ich Talas im Nordwesten Kirgistans. |
Man hat ohnehin den Eindruck, dass man sich in einer völlig anderen Welt befindet, in der es für sehr viele Menschen erst einmal nur um die Befriedigung von Grundbedürfnissen geht, wie z. B. Nahrung, Heizung und eine halbwegs ausreichende medizinische Versorgung. Leider liegt der letzte der angesprochenen Punkte sehr im Argen, es mangelt an qualifiziertem Personal, an Medikamenten und an medizinischer Ausrüstung. Hinzu kommt, dass buchstäblich alles von den Patienten bezahlt werden muss, ohne Geld läuft ein Kranker sehr große Gefahr, nicht behandelt zu werden. Die erste Frage des behandelnden Arztes gilt sehr oft dem Finanziellen. |
 Die Schule in Talas
| Umso Erfreulicheres kann ich von der Schule Nr. 3 in Talas (meine Schule von 1995 –1999) berichten. Ein großer Teil unseres Spendengeldes ist dort gut angelegt. So wurde für ca. 9000 Euro eine komplett neue Heizungsanlage im Schulhauptgebäude (einschließlich der unterirdischen Zuleitungen vom Heizhaus) eingebaut. Für ca. 4500 Euro wurden die Toiletten in einen zivilisierten Zustand gebracht (man kann sie jetzt sicherlich ohne Übertreibung als die schönsten in der ganzen Stadt bezeichnen). (Wer sich für die genauen Angaben interessiert, d. h., wie viel Geld wofür ausgegeben wurde, kann sich gern bei mir erkundigen, es ist ein Ordner zum Projekt „Kirgistan“ angelegt worden, der Bankbelege, Rechnungen – soweit möglich – und andere Unterlagen enthält). |
Ich habe die Resultate unseres/eures/Ihres Engagements also mit eigenen Augen gesehen (siehe auch die Fotos), das Geld ist nicht irgendwo versickert. Ich glaube, dass alle Schüler, Lehrer, Eltern und Sponsoren, die dieses Projekt so großartig unterstützt haben, sehr stolz sein können. Von vielen dortigen Schülern, Lehrern und Eltern habe ich herzliche Dankesworte gehört, die ich hiermit weitergeben möchte. Es ist für die Leute dort immer noch kaum zu glauben, dass Menschen, die ca. 7000 km entfernt wohnen und keine persönliche Beziehung zu Talas haben, eine so große Geldsumme bereitgestellt haben (siehe auch beiliegendes offizielles Dankschreiben der Schulleiterin der Schule Nr. 3). |
Ich habe von dort den Eindruck mitgenommen, dass unser Projekt dort vielen Menschen Hoffnung gibt. Natürlich ist es jetzt wichtig, dass die Schule auch wirklich warm ist und dass die Toiletten in dem Zustand gehalten werden, in dem sie jetzt sind. Auch dazu sind Maßnahmen getroffen (z. B. die Zahlung eines Lohnzuschusses für die Heizer oder die Einstellung von 2 „Toilettenwächtern“), die natürlich Geld kosten, das sind aber im Verhältnis zu den Baukosten eher kleinere Summen (z. B. 10 Euro Lohnzuschuss pro Heizer und Monat oder 12 Euro Lohn pro Toilettenwächter und Monat). Wer dazu ausführliche Informationen möchte, kann diese selbstverständlich von mir erhalten. Eine weitere gute Sache, die durch die Werner–von–Siemens-Realschule in Talas unterstützt wird, ist die Übernahme der Kosten für eine Speisung von ca. 15 Waisenkindern bzw. Kindern aus den ärmsten Familien. (Es können durchaus noch Kinder im Laufe des Schuljahres hinzukommen). Bis jetzt haben das Privatpersonen aus Deutschland finanziert, die sich aber freuen, dass ihnen diese finanzielle Belastung durch unsere Schule abgenommen wurde. Dafür wurden 360 Euro an die Schule ausgezahlt, so dass die Kinderspeisung bis Ende dieses Schuljahres gesichert ist. (Für die Mehrzahl dieser Kinder ist die Mahlzeit in der Schule die einzige warme und reichhaltige am Tag.) Einem Mann muss an dieser Stelle besonders gedankt werden, nämlich Herrn Sascha Jalowski. Er hat die gesamten Bauarbeiten koordiniert, er hat oft mit seinem PKW irgendwelche Baumaterialien transportiert, er war immer zur Stelle, er sorgte dafür, dass uns keine „Ausländerpreise“ (wie in Kirgistan üblich) gemacht wurden – kurz gesagt: Er war die Seele des Projekts, ohne ihn hätten wir auf keinen Fall diese sehr ordentlichen Resultate erreicht. Insgesamt ist die knappe Woche, die ich in Talas war, wie im Fluge vergangen, es erscheint mir immer wieder unwirklich, dass es so völlig verschiedene Plätze, wie z. B. Bocholt und Talas, auf dieser Welt gibt. Ich denke, dass wir hier sehr wohl gezeigt haben, dass wir in der Lage und willens sind, Menschen in schwierigen Verhältnissen zu helfen. Dafür möchte ich mich noch einmal bei allen engagierten Schülern, Eltern, Kollegen und Sponsoren sehr herzlich bedanken. Jan Koch
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