Unsere Partnerschule in Kirgistan

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Durchs wilde Kirgistan

Bericht über meine Reise nach Talas/Kirgisien vom 11.-19.10.2002
von Jan Koch, Lehrer an der Werner-von-Siemens-Realschule.

Der Grund meines Besuches in Talas war zu schauen, wie die Spendengelder unserer Schule dort verwendet wurden.


Blick aus dem Flugzeug

Nach einer langen und anstrengenden Reise, deren vielleicht abenteuerlichster Teil mich durch die wilde Bergwelt des Landes führte (dazu war u. a. eine unasphaltierte Passstraße, die sich 3200 m über dem  Meeresspiegel befindet, zu überqueren), erreichte ich Talas im Nordwesten Kirgistans.


Das Wohnhaus


Normale Straßenschäden

Im Land selbst hat sich meiner Meinung nach kaum etwas zum Positiven verändert. Allgemeiner Verfall ist zu beobachten.  Die Preise stehen weiterhin in keinem Verhältnis zu den Gehältern oder gar Renten (z. B. verdient ein Lehrer ca. 15–20 Euro pro Monat – 1 kg Fleisch kostet knapp 2  Euro, 1kg Mehl ca. 15 Cent, ein 500g-Brot ca. 13 Cent).


Irgendwo im Dorf


Frauen verkaufen Honig

Man hat ohnehin den Eindruck, dass man sich in einer völlig anderen Welt befindet, in der es für sehr viele Menschen erst einmal nur um die Befriedigung von Grundbedürfnissen geht, wie z. B. Nahrung, Heizung und eine halbwegs ausreichende medizinische Versorgung. Leider liegt der letzte der angesprochenen Punkte sehr im Argen, es mangelt an qualifiziertem Personal, an Medikamenten und an medizinischer Ausrüstung. Hinzu kommt, dass buchstäblich alles von den Patienten bezahlt werden muss, ohne Geld läuft ein Kranker sehr große Gefahr, nicht behandelt zu werden. Die erste Frage des behandelnden Arztes gilt sehr oft dem Finanziellen.


Die Schule in Talas

Umso Erfreulicheres kann ich von der Schule Nr. 3 in Talas (meine Schule von 1995 –1999) berichten.

Ein großer Teil unseres Spendengeldes ist dort gut angelegt. So wurde für ca. 9000 Euro eine komplett neue Heizungsanlage im Schulhauptgebäude (einschließlich der unterirdischen Zuleitungen vom Heizhaus) eingebaut. Für ca. 4500 Euro wurden die Toiletten in einen zivilisierten Zustand gebracht (man kann sie jetzt sicherlich ohne Übertreibung als die schönsten in der ganzen Stadt bezeichnen).

(Wer sich für die genauen Angaben interessiert, d. h., wie viel Geld wofür ausgegeben wurde, kann sich gern bei mir erkundigen, es ist ein Ordner zum Projekt „Kirgistan“ angelegt  worden, der Bankbelege, Rechnungen – soweit möglich – und andere Unterlagen enthält).


Das alte Toilettengebäude


Das neue Gebäude


Das alte WC


Die neue Anlage wird gebaut

Ich habe die Resultate unseres/eures/Ihres  Engagements also mit eigenen Augen gesehen (siehe auch die Fotos), das Geld ist nicht irgendwo versickert. Ich glaube, dass alle Schüler, Lehrer, Eltern und Sponsoren, die dieses Projekt so großartig unterstützt haben, sehr stolz sein können. Von vielen dortigen Schülern, Lehrern und Eltern habe ich herzliche Dankesworte  gehört, die ich hiermit weitergeben möchte. Es ist für die Leute dort immer noch kaum zu glauben, dass Menschen, die ca. 7000 km entfernt wohnen und keine persönliche Beziehung zu Talas haben, eine so große Geldsumme bereitgestellt haben (siehe auch beiliegendes offizielles Dankschreiben der Schulleiterin der Schule Nr. 3).


Einbau der Heizkörper


Sie sind eingebaut!


Das Notstromaggregat


Lehrerinnen der Schule

Ich habe von dort den Eindruck mitgenommen, dass unser Projekt dort vielen Menschen Hoffnung gibt.
Natürlich ist es jetzt wichtig, dass die Schule auch wirklich warm ist und dass die Toiletten in dem Zustand gehalten werden, in dem sie jetzt sind. Auch dazu sind Maßnahmen getroffen   (z. B. die Zahlung eines Lohnzuschusses für die Heizer oder die Einstellung von 2 „Toilettenwächtern“), die natürlich Geld kosten, das sind aber im Verhältnis zu den Baukosten eher kleinere Summen (z. B. 10 Euro Lohnzuschuss pro Heizer und Monat oder 12 Euro Lohn pro Toilettenwächter und Monat). Wer dazu ausführliche Informationen möchte, kann diese selbstverständlich von mir erhalten.

Eine weitere gute Sache, die durch die Werner–von–Siemens-Realschule in Talas unterstützt wird, ist die Übernahme der Kosten für eine Speisung von ca. 15 Waisenkindern bzw. Kindern aus den ärmsten Familien. (Es können durchaus noch Kinder im Laufe des Schuljahres hinzukommen). Bis jetzt haben das Privatpersonen aus Deutschland finanziert, die sich aber freuen, dass  ihnen diese finanzielle Belastung durch unsere Schule abgenommen wurde. Dafür wurden 360 Euro an die Schule ausgezahlt, so dass die Kinderspeisung bis Ende dieses Schuljahres gesichert ist. (Für die Mehrzahl dieser Kinder ist die Mahlzeit in der Schule die einzige warme und reichhaltige am Tag.)

Einem Mann muss an dieser Stelle besonders gedankt werden, nämlich Herrn Sascha Jalowski. Er hat die gesamten Bauarbeiten koordiniert, er hat oft mit seinem PKW irgendwelche Baumaterialien transportiert, er war immer zur Stelle, er sorgte dafür, dass uns keine „Ausländerpreise“ (wie in Kirgistan üblich) gemacht wurden – kurz gesagt: Er war die Seele des Projekts, ohne ihn hätten wir auf keinen Fall diese sehr ordentlichen Resultate erreicht.

Insgesamt ist die knappe Woche, die ich in Talas war, wie im Fluge vergangen, es erscheint mir immer wieder unwirklich, dass es so völlig verschiedene Plätze, wie z. B. Bocholt und Talas, auf dieser Welt gibt. Ich denke, dass wir hier sehr wohl gezeigt haben, dass wir in der Lage und willens sind, Menschen in schwierigen Verhältnissen zu helfen.

Dafür möchte ich  mich noch einmal  bei allen engagierten Schülern, Eltern, Kollegen und Sponsoren  sehr herzlich bedanken.

Jan Koch

Weitere Bilder:

    
Die Unterkunft                           Fleischtransport

                    
Frieren!                                 Ein alter, weiser Mann               Traditionelle Rundzelte