Reiseberichte, Bilder und Ansichten von der Reise

Home
Nach oben
Reisebericht 1
Reisebericht 2
Familien
Freizeit
Transportmittel
Das Essen
Der Basar

 

Die Schülerinnen und Schüler schreiben über ihre Erlebnisse und Eindrücke in Kirgistan. Jedes Kind der Gruppe hat zu einem Thema etwas geschrieben.

Reisetagebuch Kirgistan

7. Mai 2004,

14.30 Uhr, Frankfurter Flughafen
Heute Morgen war mir furchtbar schlecht, doch jetzt geht es wieder. Wir sitzen gerade im Frankfurter Flughafen, wo wir ein paar Stunden warten müssen, bis unser Flug geht. Meine größte Angst ist eigentlich nur, dass mir was geklaut wird oder ich zu schweres Handgepäck habe. Deswegen muss ich jetzt auch Schluss machen, damit ich noch so viel wie möglich essen kann…*g*
 

P.S.: Um halb fünf geht der Flug. Ich hab so einen Hosenbammel. Ich bin noch nie geflogen…

19.20 Uhr, im Flugzeug (So eine Rappelkiste habt ihr noch nie gesehen)
Ich hab jede Minute Angst, dass das Ding hier gleich auseinander fällt. Ich hab solche Angst! Aber mal abgesehen davon, dass hier alles aus Plastik zu bestehen scheint, ist fliegen eigentlich ganz lustig. Einigen war schlecht, doch mir zum Glück nicht. Die Stewardessen reden die ganze Zeit nur auf Russisch! Ich versteh kein Wort!

8. Mai 2004,  

7 Uhr (3 Uhr in Deutschland), Hotel (man könnte es mit einer Jugendherberge in Deutschland vergleichen)

Der Flug war einfach nur ein Horrortrip. In unserem Abteil waren zwei Typen, die erst eine ganze Flasche Wodka ausgetrunken haben und sich dann in den Klos einen Joint genehmigten. Einer machte uns Mädchen den ganzen Flug über auf Russisch an (man merke: Wir verstanden kein Wort) und wollte uns antatschen!

Als wir dann endlich aus dem Flugzeug raus waren, waren alle mehr als erleichtert. Am Flughafen fing dann die erste Kontrolle in Kirgistan an. Und es sollte nicht die letzte und die längste sein. Passkontrolle. Mindestens 1 Stunde für alle. Dann noch Kofferkontrolle, die nach einer halben Stunde abgebrochen wurde, weil die Kontrolleure selber ins Bett wollten.

Es war mittlerweile 6 Uhr. Auf dem Weg zum Hotel, kamen plötzlich 3 herrenlose Hunde auf die Straße gerannt! Alle bekamen schon Angst, doch der Fahrer stoppte nur ein bisschen ab und hupte (was jede fünf Minuten in Kirgistan passiert). Als die Hunde jedoch immer noch nicht weggingen, gab der Fahrer noch mal richtig Gas und überfuhr einen der Hunde! Herr Koch meinte, als wir, immer noch alle geschockt, am Hotel ankamen, dass fast jeden Tag in Kirgistan Hunde überfahren werden, weil sie keinen Wert für Kirgisen haben. Kühe geben Milch und Hühner legen Eier, doch Hunde und auch Katzen sind nichts wert.
Im Hotel teile ich mir ein Zimmer mit Mandy und Vera. Ein Zweierzimmer, da nicht mehr genug Zimmer frei waren. Der Besitzer hatte uns zwar versprochen, genug Zimmer frei zu haben, doch anscheinend nehmen die das hier mit Reservierungen und den Verkehrsregeln nicht so ernst.

9. Mai 2004,

Durchatmen. Also am liebsten würde ich jetzt sofort wieder in den komischen Bus steigen und nach Hause fahren. Aber das ist wohl nur so, weil ich jetzt grade allein bin. Das hoffe ich doch. Außerdem will ich wieder zu meinem Klo! Aber fangen wir von vorne an.

Das Essen in Bischkek war richtig schön sch****, weil das nicht wirklich durch gebraten war. Ich habe dafür die ganzen Brotreserven des Restaurants aufgegessen.

Am nächsten Morgen (nach viel zu wenig Schlaf) fuhren wir dann nach Talas. Wir mussten durch Kasachstan fahren, da der Weg über die Berge Kirgistans zu gefährlich war. Aber ich glaube auch wenn wir gelaufen wären, wären wir noch schneller da gewesen, als durch die beiden kasachischen Grenzen zu müssen. Denn an beiden Grenzen mussten wir 1 Stunde warten! Erst eine Stunde in sengender Hitze (und ich hatte meine Kappe vergessen) und bei der zweiten Grenze auch noch mal eine Stunde.

Als wir dann endlich in Talas ankamen, hatten wir uns um 4 Stunden verspätet. An der Schule wurden wir unseren Gastschülern zugeteilt.

Kristinas Haus ist nicht sehr groß, doch sehr gemütlich. Die Küche und die Banja (eine Art Sauna, weil sie dort keine Dusche haben) ist ein eigenes kleines Haus und es gibt keine Türen, sondern nur Vorhänge. Ich musste am Abend noch was essen. Um neun Uhr! Ich schlief mit Kristina in einem Zimmer und wir haben uns noch bis drei Uhr morgens unterhalten, bevor wir eingeschlafen sind…

10. Mai 2004,

21.00 Uhr, Xenias Haus (Das war ein Tag)
Also heute früh sind Kristina und ich viel zu spät aufgestanden, haben es aber doch noch zur Schule geschafft. Die nehmen hier Pünktlichkeit nicht so ernst. Ich wusste gar nicht wie ich mich waschen sollte. Das war richtig komisch, denn da war nur ein Topf voller Wasser zum waschen. Da werde ich wohl durch müssen. Das Frühstück war total lecker. Selbst gemachtes Fladenbrot mit Wurst. Die machen hier alles selber.

In der Schule angekommen durften wir solche komischen Teichbrötchen (die später zu meiner Lieblingsspeise wurden) mit einer ganz bitteren Soße probieren. Uuuähhh! Das war so bitter. Dann war eine Schulführung dran. Die darauf folgenden Unterrichtsstunden waren einfach nur Hammer.
Wir bekamen ein Arbeitsblatt auf dem eine Geschichte über Raubhochzeiten zu lesen war. Es ging um einen jungen Kirgisen, der endlich eine Frau haben will und sich einfach eine raubt, was ganz normal in Kirgistan ist. Er raubte sie in der Nacht, entjungferte sie und sie musste ihn dann heiraten. Denn eine entehrte Frau will niemand mehr haben, auch nicht die Eltern des Kindes. Ich finde das ziemlich schrecklich. In der nachfolgenden Stunde nähten wir kleine Kameljurten. Richtig süß.

12. Mai 2004,

21.01 Uhr, Berghütte im Nirgendwo (Hilfe!)
Heute früh um 8 Uhr fuhren wir in Kleinbussen nach Besch-Tasch, einem Bergdorf, in dem wir auch diese Nacht schlafen sollten. Dass wir noch jemanden abholen sollten, verstand ich ja noch, aber dass das ein totes Schaf sein sollte, war nicht wirklich vorauszusehen. Das war so ekelig.  Frau Sudek war am ärmsten dran, die musste ihre Füße fast darauf stellen. Wir nannten das Schaf übrigens Baranümüt, damit wir das nicht essen mussten. Man hängt zu sehr an Tieren, denen man Namen gibt.


Baran = Schaf (russisch)
Ümüt (russischer Name) = Hoffnung
Baranümüt = Schaf der Hoffnung

 

Als wir dann endlich da waren, begann die schlimmste Bergwanderung meines Lebens. Irgendjemand (wir wollen ja keine Namen nennen) hatte sich ausgedacht, dass wir zu einem wunderschönen, ganz in der Nähe gelegenen, See wandern könnten. Nah! 32 km mussten wir hin und zurück laufen! 10 Stunden haben wir gebraucht!

Das einzige, was an der Wanderung wirklich schön war, waren die Berge. Die sahen aus wie beim Film "Herr der Ringe".

Die Übernachtung: 10 Leute in einem kleinen Zimmer. Schrecklich. Bevor wir fahren, müssen die anderen erst noch ihre Schuhe wieder finden, die haben nämlich die Hunde geklaut, die hier wohnen.

 

 

12. Mai 2004,

20.55 Uhr, Krissis Haus
Heute ist schon der letzte Tag. Wir waren zuerst in der Schule und haben unsere Souvenirs zu Ende gefertigt. Vorher hatten wir noch zwei Schulstunden. In der ersten hat uns die Theater Gruppe einen Ausschnitt eines Stücks gezeigt und in der zweiten Stunde hatten wir Deutsch mit einer Klasse zusammen. Das war schrecklich. Sie stellten uns Fragen über Bocholt und ich konnte einige gar nicht beantworten. Welche, sage ich lieber nicht. Nach diesem halben Schultag hatten wir frei und wir gingen wieder zum Basar, wo ich mich noch mehr mit kitschigen Sachen eindeckte (*g*).

Am Abend ging’s dann wieder zur Schule, wo wir gemeinsam eine Jurte aufbauten und Schaschlik aßen. Es kam sogar so weit, dass wir anfingen zu singen. Vorher mussten wir Mädchen aber noch traditionelle kirgisische Kleider anziehen und uns mit denen vor der Jurte fotografieren lassen! Aber was macht man nicht alles, wenn man auf Abenteuerurlaub ist.

Die Kleider konnten wir zum Glück nach einer Weile wieder ausziehen. Denn mit einem Kleid kann man nicht rennen. Und das mussten wir. Ein Brauch bei den Kirgisen ist es, dass, wenn ein Kind gerade anfängt zu laufen, man um die Wette rennt und dem Kind die vorher zusammengebundenen Füße befreit. Das ist dann ein Zeichen dafür, dass die Füße des Kindes befreit sind und es laufen kann.

 

14. Mai 2004,

12.14 Uhr, Im Bus (Bor ist das warm!)
Heute war der schrecklichste Tag ever! Heute Morgen sind wir erst zu so einem Museum gegangen, das für einen Volkshelden erbaut wurde. Manas hieß der und wie das da so aussah was der riesig. Hat mit Felsbrocken in seiner Kindheit gespielt und so. Kennt man ja so von Riesen. Das war ja auch noch ganz interessant, besonders weil man auf einem Berg einen Fahnenmast anfassen konnte und dann noch ein Jahr lebt.

Dann gings zurück. Ich war voll happy, weil ich endlich wieder nach Hause konnte. So muss jetzt Schluss machen. Diese blöden Kontrollen fangen wieder an. Will mal hoffen, dass wir nicht wieder ne Stunde brauchen, bis wir durchkommen…

15. Mai 2004,

16.10 Uhr, Flugzeug (Klein, aber Beinfreiheit!)
Endlich sitze ich in dieser Schrottkiste! Hat auch lange genug gedauert. Ich hatte so einen Hosenbammel, wegen der blöden Leute, die am Flughafen immer dein Gepäck tragen wollen und dann dafür Geld verlangen, doch ich hab einmal „niet“ gesagt und die haben mich in Ruhe gelassen.

Aber das war nicht das Einzige was mich aufhielt. Ich war kurz davor ins Flugzeug zu steigen, als mich ein Polizist aufhielt, weil ich keinen rosa Stempel hatte! Ganz schlimm. Doch ein anderer netter Polizist hat mir den dann gegeben. Der wollt nur meinen Nachnamen wissen. Bin jetzt auf jeden Fall glücklich auf meinem Platz zwischen Svenja und Bambi (Jan-Bernd) angekommen und will wieder raus. Das ist hier so ätzend warm drin. Schrecklichst. Hoffentlich wird das besser, wenn wir oben sind. Und hoffentlich wird das auch leerer. Vielleicht springen ja die Piloten mit dem Fallschirm. In diesem Flieger könnte ich mir das vorstellen. Auf jeden Fall hat man hier nicht wirklich viel Beinfreiheit. Bin ich froh, dass ich nicht allzu groß bin. Ich freu mich schon auf 6 Stunden Flug…

16. Mai 2004,

1.07 Uhr, mein Bett (endlich!!!)
Ist das schön, wieder zu Hause zu sein. Der Rückflug war übrigens schöner als der Hinflug, auch ohne wirkliche Beinfreiheit. Wir flogen ja tagsüber und bei der Landung konnten wir deswegen alle Häuser ganz nah sehen. In Hannover war dann auch super Stimmung, weil die Bundesliga angefangen hatte und am Bahnhof strömten uns sehr viele Fußballfans mit ihren Alkoholfahnen entgegen. Um 23 Uhr waren wir dann auch in Coesfeld angekommen.

Jetzt bin ich froh endlich wieder zu Hause zu sein und ich kann sagen, dass der Austausch ein richtiges Abenteuer war, was ich immer wieder gerne erleben würde.

Susanne Duckhorn